DOK Leipzig 28. Oktober – 3. November 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig Film Festival

Zustand und Gelände






KATALOGTEXT
Schon im Filmtitel wird klar, dass es um zwei Ebenen geht. Geschichte und Gegenwart, Archiv und Präsenz – mit solchen Begriffen für die Spannung zwischen Zustand und Gelände arbeitet Ute Adamczewski. Mit „Bild und Ton“ lässt sich die Reihe der Dichotomien fortsetzen. Zu sehen sind in den zwei Stunden Orte, Plätze und Landschaften in Sachsen. Sie haben alle eine Verbindung zu Geschehnissen unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Damals begann die Jagd auf politische Gegner, die so viele betraf, dass in der Gegend zahlreiche, zum Teil improvisierte Gefängnisse und Lager geschaffen wurden.

Eine Frauenstimme liest aus dem Off ruhig Dokumente von damals vor, ergänzt und erweitert um Erinnerungsberichte von Betroffenen aus der Zeit nach dem Krieg. Sukzessive kommen auch geschichtspolitische Aspekte hinzu. Für die DDR waren „Opfer des Faschismus“ nur Menschen, die gegen den Faschismus gekämpft hatten. Juden waren in diesem Sinn keine Opfer. Das findet eine bemerkenswerte Parallele in dem Umstand, dass schon die Nazis 1933 bei ihrem Versuch, Ordnung in die Verfolgungen zu bringen, die Juden (noch) exkludierten: „Fremdstämmigkeit ist kein Grund für Schutzhaft.“ Ein formal wie inhaltlich beeindruckender Film über die Gegenwart der Vergangenheit.

Bert Rebhandl



Ausgezeichnet mit einer Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- and Animationsfilm und dem VER.DI Preif für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness.


/

/

/

/
Credits
Originaltitel: Zustand und Gelände Land: Deutschland Jahr: 2019 Sprache: deutsch Untertitel: englische Laufzeit: 119 min. Format: DCP Farbe: Colour Regie: Ute Adamczewski Produktion: Ute Adamczewski Kamera: Stefan Neuberger Schnitt: Ute Adamczewski Ton: Ludwig Berger Buch: Ute Adamczewski, André Siegers
KONTAKT


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2019 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber stattfinden. Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Rechteinhaber.