DOK Leipzig 28. Oktober – 3. November 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig Film Festival

Wohin mit all der Liebe






KATALOGTEXT
Eine Ortsbegehung: Abgelatschtes Parkett. Hölzerne Wandvertäfelungen, an denen die Konterfeis berühmter Komponisten hängen – manchmal nur rahmenlos angepinnt und möglicherweise so platziert, dass das musikalische Genie darunterliegende Schadstellen diskret zudeckt. Berge von aus allen Stilepochen zusammengewürfelten Sitz- und Aufbewahrungsmöbeln, die jeden noch so geschäftstüchtigen Antikwarenhändler in den Ruin stürzen würden. Oh, Genius Loci, welchen Vandalen bist du zum Opfer gefallen?

Über die renommierte Paliashvili-Musikschule für begabte Kinder in Tbilissi sind die Zeiten hinweggefegt – die alten sowjetischen und die neuen georgischen. Sie haben Löcher ins Mauerwerk gerissen, aber – das vor allem malt Marita Stocker in ihrem von Mitja Hagelüken wunderbar fotografierten Ortsporträt aus – sie konnten dem Geist der Institution nichts anhaben. Ungebrochen ist der Zustrom an Talenten aus dem ganzen Land, ungebändigt sind die Träume der zukünftigen Virtuosinnen und Virtuosen, unvermindert die hohen Ansprüche der Lehrkräfte, die mit „ihrer“ Schule in die Jahre gekommen sind. Entzünden können sie sich immer noch: vor Ärger über eine fleißig, aber emotionslos abgespielte Etüde, gelegentlich auch vor Abscheu über die lässige, ja nachlässige Garderobe ihrer Schützlinge, aus Liebe zur Musik und zu ihren Zöglingen.

Sylvia Görke

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Credits
Originaltitel: Wohin mit all der Liebe Land: Deutschland Jahr: 2018 Sprache: georgisch Untertitel: deutsche, englische Laufzeit: 80 min. Format: DCP Farbe: Colour Regie: Marita Stocker Produktion: Günter Atteln Kamera: Mitja Hagelüken Schnitt: Ana R. Fernandes Ton: Daniel Fischer Buch: Marita Stocker
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